10. Schlepperwallfahrt im Südringgau

Eine Kombination aus Dorf & Landwirtschaft, Aufbruch & Natur, Glaube & Kirche bildet am kommenden Sonntag wieder den besonderen Reiz, wenn zur Schlepperwallfahrt im Südringgau eingeladen wird. In diesem Jahr eine besonders runde Sache, denn es handelt sich um die 10. Auflage dieser Aktion, bei der die Organisatoren vor elf Jahren gar nicht ahnen konnten, ob sie auch tatsächlich Anklang finden wird. Der Zuspruch war enorm, und mittlerweile kann man direkt schon das Wörtchen “traditionell” anwenden. Der Männertreff Herleshausen mit seinem Initiator Dr. Manfred Gerland, Pfarrer im Ruhestand, hat diese Idee inzwischen fest ins Jahresprogramm eingestreut … – wie passend, denn das Lied vom “Pflügen und Streuen” kann man auch im Mai schon anstimmen, noch weit weg vom Erntedank. Eine Feldersegnung ist immer ein wesentlicher Bestandteil der Schleppertour.

Der Sonntagmorgen beginnt um 9.30 Uhr mit dem Aufstellen der landwirtschaftlichen Fahrzeuge in der gerade wieder frisch in Grüntöne getauchten Lindenallee zwischen Herleshausen und Lauchröden. Die Parade der Schlepper zieht dann durch die Wiesenflur Richtung Wommen, unterquert die Autobahn an der Stelle, wo sich die Älteren noch an “Funny Hill”, den ehemaligen Wommschen Treffpunkt, erinnern. Im Verlauf der Wallfahrtsroute können sich gerne weitere Traktoren der angrenzenden Ortsteile anschließen und teilnehmen. Die Strecke folgt dem Wirtschaftsweg nach Nesselröden, um vor dem Dorf hinauf zur Lenne abzubiegen. Über diese Erhebung erreicht die Wallfahrt schließlich die Frauenbörner Flur. Am Altar an der Kastanie soll gegen 12.30 Uhr der Wallfahrtsgottesdienst stattfinden, zu dem natürlich auch alle eingeladen sind, die ohne knatterndes Gefährt dorthin kommen möchten.

Die Schlepper-Kolonne erreicht das Ziel bei Frauenborn von der Lenne kommend.

Die Dorfgemeinschaft Frauenborns, jenem kleinsten Herleshäuser Ortsteil, freut sich darauf, die Gäste im Anschluss noch mit Gegrilltem und Getränken zu versorgen, ehe man nach und nach den Heimweg antritt. Bei hoffentlich schönem Frühlingswetter dürfte also für ein paar gesellige Stunden in Gottes freier Natur gesorgt sein. Der Männertreff Herleshausen würde sich über möglichst viele Teilnehmer freuen. Eine Anmeldung ist wie immer nicht nötig.
-awy-

Auch diesen Ausblick könnte man in ähnlicher Form wieder genießen.

Aus der Geschichte

Wie kam man eigentlich auf die Idee zu einer solchen Veranstaltung?

Alles begann mit einer Tagesfahrt des Kirchenchores vor langer Zeit. Mathias Baum vom Männertreff, der damals als Busfahrer dabei war, erinnert sich: “Wir fuhren ins Fränkische und erlebten dort erstmals eine solche Wallfahrt mit Traktoren. Das hat uns auf Anhieb gefallen und wir überlegten, ob so etwas nicht auch bei uns möglich sei.”

Schlepperparade in Vierzehnheiligen

Um sich einen weiteren Eindruck und Anregungen zu beschaffen, reiste eine Gruppe in 2014 erneut an den Main. Dr. Manfred Gerland berichtete damals von der Tour:

Männertreff Herleshausen zur Schlepperwallfahrt in Franken

“Unter Leitung von Mathias Baum und Pfr. Dr. Manfred Gerland machte sich der Männertreff der Kirchengemeinde Herleshausen, diesmal auch mit Anhang, mit dem Bus zum bekannten Wallfahrtsort Vierzehnheiligen zwischen Coburg und Bamberg auf den Weg, um der dortigen Schlepperwallfahrt beizuwohnen. Begrüßt wurden die Herleshäuser von Pater Heribert Arens, der früher auf dem Hülfensberg wirkte und nun als Wallfahrtsleiter in Vierzehnheiligen tätig ist. Die Männer staunten nicht schlecht, als nach und nach fast 100 Schlepper, die meisten Oldtimer aus den 50er bzw. 60er Jahren, in den Hof der Basilika einfuhren. Sie kamen vor allem aus der Region, manche hatten aber auch schon einen weiten Weg z.B. aus Oberbayern hinter sich. In einer feierlichen Prozession zogen die Schlepperfahrer durch das Hauptportal der großen Basilika zum Gottesdienst ein, voran eine Blaskapelle, die mit ihren Klängen den Gesang der Männer begleitete. Nach dem Gottesdienst wurden die Schlepper und ihre stolzen Besitzer mit Weihwasser gesegnet. Dann war noch genügend Zeit, um sich die Oldtimer genauer anzusehen und mit anderen Männern zu fachsimpeln. Dabei schlug so manches Männerherz hoch und viele Augen glänzten angesichts der Prachtexemplare, die es dort zu bewundern gab. Nach einem zünftigen „Nothelfer-Bier“ und einem deftigen Mittagessen in der benachbarten Gastwirtschaft besichtigten die Herleshäuser noch das kleine Kurstädtchen Bad Staffelstein, einige bestiegen sogar den markanten Staffelberg ganz in der Nähe. Auf der Rückfahrt wurden schon Pläne für eine mögliche Schlepperwallfahrt in Herleshausen geschmiedet. Die Teilnehmer waren begeistert und inspiriert von den Eindrücken dieses Tages. Man darf gespannt sein, was der Männertreff aus den Erfahrungen und Beobachtungen dieses Tages machen wird.”

Einzug der Schlepper … (vorne rechts: Monika Hohlmeier, CSU-Politikerin)
… und die Segnung der Selbigen.

Und es war allerhand, was der Männertreff um Mathias Baum, Jürgen Wetterau, Wilfried Deist u.a. schließlich daraus machte. Das wissen wir heute. Immerhin konnte man mit der Schlepperwallfahrt sogar den Innovationspreis des Kirchenkreises Eschwege gewinnen.

Das Plakat der ersten Austragung in 2015

Ein Bericht über diese erste Schlepperwallfahrt 2015 von Dr. Manfred Gerland:

“Am Sonntag Rogate (10.05.2015) veranstaltete der Männertreff Herleshausen die erste Schlepperwallfahrt im Südringgau. 48 Schlepper und Traktoren waren gekommen, manche mit Anhänger auf denen Angehörige, Freunde und Gemeindeglieder Platz nehmen konnten. Bald ging es bei schönstem Wetter in einem langen Corso ca. 18 km durch Feld und Wald. Unterwegs schlossen sich weitere Traktoren an. An zwei Stellen wurde Halt gemacht und in kurzen  Andachten mit Lied, Lesung und Gebet die Felder gesegnet. Nach ca. zwei Stunden fuhr der Tross unter Glockengeläut in Willershausen ein. Dort war von der Feuerwehr eine Straße für den Autoverkehr gesperrt wo sich die Schlepper und Traktoren aufstellen konnten. Über hundert Fahrer und Mitfahrer zogen, ein Kreuz vorantragend, das zuvor den ersten Schlepper geschmückt hatte, unter Posaunenspiel in die alte (seit der Reformation evangelische) Wallfahrtskirche „Unserer lieben Frau“ ein, wo ein festlicher ökumenischer Gottesdienst gefeiert wurde.  Spätestens in der Predigt wurde manchem deutlich, dass das, was Männer auf dem Lande beschäftigt (Natur, Technik, Landwirtschaft,  Arbeit und Hobby, Windenergieanlagen, Werrarenaturierung usw. aber auch Feiern, Geselligkeit, Fachsimpeln, Freude am Schlepperfahren) mit der Religion und der Kirche in enger Verbindung stehen. Der alte Brauch der Feldersegnung, die Bitte um gutes Wetter, Wachstum und Gedeihen hatten am Sonntag Rogate ihren allen einleuchtenden Ort. Das Gleichnis von der selbstwachsenden Saat (Mk 4,26-29) erinnerte daran, dass der Bauer zwar hart arbeiten muss, um seine Felder zu bestellen, aber dass das Entscheidende, das Wachsen der Saat zur Frucht hin, ohne sein Zutun geschieht. So, sagt Jesus, ist das auch mit dem Reich Gottes unter uns, mit der Liebe, den Beziehungen in denen wir leben, mit dem Kinderkriegen (da Muttertag war, wurden die Mütter als Beispiel lobend erwähnt):  Man muss geduldig warten können und wie Luther sagt auch mal „Bier trinken und Gott sorgen lassen“.  Die Kirche war mit ca. 120 Besuchern bis auf den letzten Platz besetzt, einige mussten stehen, der Gesang war kräftig, die Predigt zupackend und die Männer in der deutlichen Überzahl.  Nach dem Gottesdienst konnte man in viele frohe und zufriedene Gesichter schauen,  die Rückmeldungen waren begeisternd. Auf dem benachbarten Bauernhof war für Essen und Trinken reichlich gesorgt. Es konnten nun auch die Schlepper und Traktoren in Augenschein genommen und gefachsimpelt werden. Am Nachmittag setzte sich der Tross wieder in Bewegung und jeder machte sich nun auf die Rückfahrt in seinen Heimatort. Ein überaus gelungener Tag, der nächstes Jahr unbedingt wiederholt werden soll.”

Mit einer ausführlichen Bildergalerie (alle Fotos: -awy-) wollen wir an diese erste Austragung im Mai 2015 erinnern:

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