Vergelt´s Gott – danke, dass ihr für uns da wart!

Die gut besuchte feierliche Messe für den Pastoralverbund der „Heiligen Familie“ (Sontra, Nentershausen, Herleshausen und Reichensachsen) stand am 6. Okt. 2019 in Herleshausen nicht nur im Blick auf das Erntedankfest, sondern wurde zu einem Tag der Erinnerungen an ganz besondere Menschen, die sich für die katholische Christen und auch für die Gemeinschaft der Gläubigen im Südringgau verdient gemacht haben.

„Danke, dass Ihr für uns da wart“ ist jetzt auf einer Tafel zu lesen, die den im Rahmen des 1000-jährigen Dorfjubiläums an verschiedenen Häusern in Herleshausen angebrachten „Fachwerktafeln“ gleicht. Vertraute Gesichter, die zum Verweilen und zum Nachdenken dazu anregen und bei vielen Menschen ein ebenfalls dankbares „Vergelt’s Gott!“ über die Lippen bringen. Schwester Oberin Armella (96) und Schwester Aquina (90) verbringen ihren Lebensabend im Schwesternheim der Krankenfürsorge des Dritten Ordens in München. Sie nahmen in Gedanken an der kleinen Feierstunde teil und waren somit den Herleshäuser/innen in ihren Erinnerungen ebenfalls ganz nahe. Ein „Vergelt’s Gott“ wird mancher Gast mit dem vertrauten und lieb gewonnenen bayrischen Akzent von ihnen in seinen Erinnerungen vernommen haben. Unser Herrgott möge beiden Schwestern mit seinem reichen Segen auch weiterhin zur Seite stehen.

Vergelt’s Gott! – Danke, dass Ihr für uns da wart!

Die Gedenktafel wurde dann nach dem feierlichen Gottesdienst am Eingang der Kath. Kirche in Herleshausen enthüllt und vom neuen Kaplan Biên Bùi-Trong geweiht. Die Tafel erinnert an den langjährigen Pfarrer Pater Haimo und seine Nachfolger Pater Lucas und Heribert Sauerbier. Pater Haimo hat in seiner 40-jährigen Priestertätigkeit 1947-87 in der Gemeinde Herleshausen und im gesamten Südringgau bleibende Spuren hinterlassen.

Mit Unterstützung vieler Menschen wurden die Gotteshäuser der nach dem Krieg neu gegründeten kath. Kirchengemeinde in Herleshausen und Nesselröden gebaut. Selbst an die älteren Mitbürger in der Gegend dachte Pater Haimo und ließ das Seniorenheim „St. Elisabeth“ errichten, wo nicht nur Senioren eine Bleibe fanden, sondern auch 443 (!) Kinder geboren wurden.

Das Heim gehörte bis Ende 2001 zur Schwesternschaft der Krankenfürsorge des Dritten Orden in München und wurde knapp 45 Jahre lang von Schwester Oberin Armella (Maria Kaffl) geleitet, die für ihre Verdienste und ihr soziales Engagement im Jahr 1993 den Bundesverdienstorden verliehen bekam. Zu den fünf am längsten hier tätig gewesenen Schwestern gehörten auch Sr. Aquina (Anastasia Probst, 38 J.), Sr. Rosmarie (Mathilde Lanz, 40 J.) und Sr. Romula (Theresia Gaab, 23 J.). Besonders hervorzuheben ist auch Sr. Notburga (Maria Meiners), die bereits von 1953 – 1960 als kath. Gemeindeschwester in Herleshausen tätig war und dann dem Dritten Orden beigetreten ist. Sie hat insgesamt über 48 Jahre hilfreich in Herleshausen gewirkt. Auch daran soll die nun enthüllte Tafel dankbar erinnern. Für ihre Nichte und Neffen, die sich gerne an frühere Besuche bei „Tante Maria“ in Herleshausen erinnerten, wurde die Gedenktafel bereits eine Woche zuvor anlässlich des Familientreffens in Eisenach vorgestellt.

Erste Enthüllung der Tafel (29.09.) anlässlich des Treffens der Meiners-Familie. Der aufmerksame Leser erkennt auch die in Herleshausen tätige Kindergärtnerin Anne Meiners (4.v.li.), die mit Ehemann Christoph (dahinter) seit Ende der 1990er Jahren in Spichra zu Hause.

Die Idee, das Wirken von Pater Haimo, seinen Nachfolgern und den Ordensschwestern mit einer Gedenktafel zu würdigen, entstand in der zum 1000-jährigen Ortsjubiläum gegründeten Arbeitsgruppe „Flucht & Vertreibung … angekommen in den Dörfern des Südringgaus.“ Dabei durfte natürlich Ursula Küstner, die seit August 1946 als katholische Lehrerin an der Herleshäuser Schule tätig war und sich darüber hinaus für ihre Kirchengemeinde eingesetzt hat, nicht vergessen werden.

Aber nicht nur der Dank an diese Menschen sollte sichtbar werden, sondern auch die Erinnerung an die vielen Flüchtlinge und Vertriebenen, die nach dem 2. Weltkrieg im Südringgau angekommen sind. Mit ihnen verbunden war die Neugründung der kath. Kirchengemeinde. Ein Provisorium der Gedenktafel konnte bereits am Fronleichnam enthüllt werden (die WR berichtete darüber).

Doch wie sollte das alles finanziert werden? Alfred Ingrisch („Ali“), der sich als ehemalige Altefelder der Gruppe angeschlossen hatte, wollte sich „mal umhören“. Bei Dr. Corina Teister, die heute in der Schweiz lebt und eine Enkelin von Zimmermann Wendelin (Ungarn) und Ottilie, geb. Engel (Sudetenland) ist, stieß er „offene Türen“ ein. Spontan war sie bereit, das Projekt finanziell großzügig zu unterstützen. Ebenfalls durch Geldspenden unterstützt wurde der Arbeitskreis von den als Heimatvertriebene hier angekommenen Zwillingsbrüdern Anton und Andreas Mayer (Ungarn) sowie von Erika Olbert (Sudetenland).

Bei der erneuten Vorstellung der Erinnerungstafel – dieses Mal war das Provisorium durch das Original ersetzt – konnte der AG-Sprecher Helmut Schmidt Frau Dr. Corina Teister mit ihrem Sohn begrüßen. Er und Andreas Büchner von der Kath. Kirchengemeinde würdigten das Engagement der Sponsoren, hier ganz besonders Frau Dr. Teister, die natürlich einen Blumenstrauß bekam. Sie betonte, dass es ihr eine Freude und Ehre war, etwas zur Erinnerung an ihre Vorfahren und für alle Vertriebenen und Flüchtlinge beitragen zu können, die damals im Südringgau eine neue Heimat gefunden haben.

Auch Dr. med. Hans-Peter Marsch (Herleshausen) bedankt sich als AG-Mitglied bei seiner Kollegin Dr. Corina Teister für das großzügige Geschenk. „Ali“ Ingrisch und Helmut Schmidt (li.) freuen sich sichtlich.

Im Anschluss an die feierlichen Enthüllungen der Gedenktafeln lud die Kath. Kirchengemeinde zu einem Imbiss mit Gedankenaustausch in das Franziskushaus ein.

Zieh mal die Brille ab und guck, ob’s gerade hängt: Manfred Janus (l.) und Andreas Büchner!

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